Französischer Schreibsekretär (Bureau plat) mit Schreibklappe, Marketerie und Bronzebeschlägen
Epoche
Rokoko (Louis-XV), Mitte 18. Jahrhundert (ca. 1740–1760)
Geschichtliches
Der französische Schreibsekretär des Rokoko zählt zu den repräsentativsten Möbeltypen des höfischen und großbürgerlichen Interieurs des 18. Jahrhunderts. Als Bureau plat diente er administrativen und schriftlichen Tätigkeiten, war jedoch zugleich ein Statusmöbel, das handwerkliche Virtuosität und materiellen Reichtum demonstrierte. Charakteristisch für diese Möbelgattung sind geschweifte Linienführungen, aufwendig ausgeführte Furnier- und Marketeriearbeiten sowie reich ziselierte, feuervergoldete Bronzebeschläge. Möbel dieser Qualität stammen in der Regel aus spezialisierten Ebenistenwerkstätten und spiegeln den hohen ästhetischen und technischen Anspruch der französischen Möbelkunst dieser Zeit wider.
Material
Der Korpus besteht aus massivem Eichen und Nadelholz und dient als konstruktives Trägermaterial. Die sichtbaren Oberflächen sind vollständig mit Königsholz furniert, einem im 18. Jahrhundert hochgeschätzten Edelholz.
Die Beschläge, Kantenfassungen und Applikationen bestehen aus gegossener, fein ziselierter und feuervergoldeter Bronze.
Beschreibung
Das Möbel ist streng symmetrisch aufgebaut und als freistehender Schreibsekretär konzipiert. Der leicht geschweifte Korpus ruht auf vier elegant gebogenen Beinen mit bronzenen Sabots. Die Front ist mit einer zentralen Schublade sowie seitlich angeordneten Schubfächern ausgestattet. Die Schreibfläche ist horizontal ausgebildet und wird von einer umlaufenden Bronzeleiste gefasst.
Die Oberflächen sind vollständig mit geometrischer Marketerie aus Königsholz gestaltet. Die perspektivisch angelegten Würfelmotive erzeugen durch wechselnde Maserungsrichtungen ein lebhaftes Licht-Schatten-Spiel und verleihen den Flächen eine plastische, rhythmische Wirkung. Reich ornamentierte Bronzebeschläge betonen Kanten, Zargen und Eckpunkte und unterstreichen den repräsentativen Charakter des Möbels. Die geschweifte Linienführung ist typisch für den Louis-XV-Stil und verleiht dem Möbel eine dynamische Eleganz.
Das Möbel verfügt über eine technisch anspruchsvolle, verdeckt integrierte Mechanik zur Öffnung der Schreibklappe. Diese ermöglicht ein kontrolliertes, gleichmäßiges Absenken der Klappe und ist vollständig im Korpus verborgen. Die Mechanik stellt ein charakteristisches Beispiel für die hohe technische Raffinesse französischer Ebenistenarbeiten des 18. Jahrhunderts dar.
Aufgabenstellung/ Schadensbild
Im Bereich der Schreibklappe waren erhebliche Schäden festzustellen, die auf eine gewaltsame Öffnung im Zuge eines Einbruchs zurückzuführen sind. Die Klappe wurde mittels eines Brecheisens aufgehebelt, wodurch es zu massiven Zerstörungen der konstruktiven Holzteile sowie der integrierten Öffnungsmechanik kam. Insbesondere im oberen Randbereich der Klappe zeigten sich tiefe Ausbrüche, Quetschungen und Absplitterungen des Trägerholzes. Die originale Kantenführung war teilweise vollständig zerstört.
Die Furnier- und Marketerieflächen aus Königsholz wiesen in diesem Bereich großflächige Fehlstellen, Ablösungen sowie sekundäre Rissbildungen auf. Die geometrische Würfelintarsie war unterbrochen und in ihrer strukturellen Lesbarkeit beeinträchtigt. Durch die Krafteinwirkung kam es zudem zu Spannungsverlusten im Gefüge der Klappe, was Verwerfungen und eine ungleichmäßige Ebenheit der Fläche zur Folge hatte.
Die verdeckt liegende Klappenmechanik war stark beschädigt. Einzelne mechanische Elemente waren deformiert, aus ihrer ursprünglichen Position gerissen oder funktionslos. Ein kontrolliertes Öffnen und Schließen der Klappe war nicht mehr möglich. Die umlaufenden Bronzefassungen zeigten Lockerungen, Verformungen sowie Kratz- und Druckspuren.
Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen
Ziel der Restaurierung war die Wiederherstellung der strukturellen Stabilität, der funktionalen Mechanik sowie des historischen Erscheinungsbildes unter größtmöglicher Erhaltung der Originalsubstanz.
Die geschädigte Holzsubstanz im Bereich der Schreibklappe wurde konsolidiert und statisch stabilisiert. Fehlende Kanten- und Substanzbereiche wurden materialgerecht ergänzt. Die Furnier- und Marketerieflächen wurden gesichert; Fehlstellen mit zeit- und materialgerechtem Königsholzfurnier ergänzt, wobei Maserungsverlauf, Furnierrichtung und Farbton sorgfältig an den Bestand angepasst wurden.
Die beschädigte Klappenmechanik wurde analysiert, erhaltene Originalteile konserviert und wieder funktionsfähig gemacht. Fehlende oder irreversibel zerstörte mechanische Elemente wurden funktions- und konstruktionsgerecht ergänzt. Die Klappe lässt sich nun wieder kontrolliert und gleichmäßig bewegen.
Die Bronzebeschläge wurden gereinigt, gerichtet, konserviert und fachgerecht neu montiert. Abschließend erfolgte eine schonende Oberflächenbehandlung in Form einer handpolitierten Schellackoberfläche, wodurch die Tiefenwirkung des Königsholzes sowie das Licht-Schatten-Spiel der Marketerieflächen wieder deutlich hervorgehoben werden konnten.
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