Eklektizistischer Schreibsekretär mit figuraler Elfenbeinintarsie und Metalladern
Epoche
Eklektizismus / Historismus, spätes 19. Jahrhundert (ca. 1870–1900)
Geschichtliches
Der vorliegende Schreibsekretär ist ein repräsentatives Funktions- und Schaustück des späten 19. Jahrhunderts und steht exemplarisch für den eklektizistischen Gestaltungswillen des Historismus. Möbel dieser Gattung dienten nicht allein praktischen Zwecken, sondern waren Ausdruck bürgerlichen Selbstverständnisses, von Bildung, Wohlstand und kunsthistorischer Referenz.
Typologisch vereint das Möbel Funktionen des Schreibmöbels, der Kommode und des Schranks. Der eklektizistische Ansatz zeigt sich in der bewussten Kombination unterschiedlicher historischer Stilformen: barock und rokokoid geprägte Korpusformen werden mit klassizistischen Architektur- und Bildmotiven sowie illusionistischer Intarsienkunst verbunden. Besonders die figürlichen Darstellungen mit mythologischem Bezug verweisen auf das zeitgenössische Interesse an Antike, Symbolik und perspektivischer Raumillusion.
Material
Der konstruktive Korpus besteht aus massivem Nadelholz. Die sichtbaren Flächen sind überwiegend mit Edelhölzern furniert, vornehmlich Nussbaum. Zur Ausbildung der Intarsienflächen und Kontraste wurden weitere Hölzer unterschiedlicher Farbigkeit und Struktur verwendet, Ahorn, Birnbaum, Eibe und Buchsbaum.
Die ornamentalen Linien und Adern bestehen aus Messing und Zinn. Die figuralen Darstellungen innerhalb der architektonischen Intarsien bestehen aus Elfenbein.
Beschreibung
Das Möbel ist monumental proportioniert und streng symmetrisch aufgebaut. Der Unterbau bildet einen geschlossenen Korpus mit geschweifter Front und kräftig ausgearbeiteten Füßen. Seitliche Voluten, plastische Schnitzereien und figürliche Elemente betonen den skulpturalen Charakter des Möbels.
Der Mittelteil wird durch eine weit auskragende Schreibfläche bestimmt, deren Oberfläche reich intarsiert ist. Florale und ornamentale Motive aus Holz, Messing und Zinn überziehen die Fläche und erzeugen eine differenzierte Linienführung. Über der Schreibfläche öffnet sich ein zentraler Arbeitsbereich mit symmetrisch angeordneten Schubladen.
Der obere Aufsatz wird durch zweiflügelige Türen geschlossen, deren Außenseiten mit floralen Intarsien versehen sind. Im geöffneten Zustand offenbart sich ein architektonisch inszenierter Innenraum mit säulenartiger Gliederung und perspektivisch angelegter Intarsienarbeit. Im Zentrum befindet sich eine figürliche Darstellung mit mythologischem Bezug, ausgeführt in Elfenbein, flankiert von architektonischen Elementen und weiteren Figuren. Die illusionistische Raumwirkung verleiht dem Innenraum eine bühnenhafte, nahezu theatrale Qualität.
Gesimsprofile, geschwungene Abschlüsse, Maskarons und Tierdarstellungen verstärken den repräsentativen Charakter. Das Möbel ist weniger als rein funktionales Objekt zu verstehen, sondern als dekoratives Gesamtkunstwerk.
Aufgabenstellung / Schadensbild
Das Möbel weist deutliche alters-, klima- und nutzungsbedingte Schäden auf, die sich insbesondere in den komplexen Intarsien- und Einlegearbeiten zeigen.
In den figuralen Intarsien aus Elfenbein sind umfangreiche Fehlstellen festzustellen. Einzelne Figurenpartien fehlen vollständig, andere weisen Rissbildungen, Abplatzungen und Kantenverluste auf. Das Elfenbein zeigt altersbedingte Spannungsrisse sowie Verfärbungen, bedingt durch klimatische Schwankungen und frühere Oberflächenbehandlungen.
Die ornamentalen Adern aus Messing und Zinn sind stellenweise gelockert, verformt oder unterbrochen. Teilweise sind die Metalladern aus ihren Nuten herausgetreten oder gebrochen. In einzelnen Bereichen sind Oxidations- und Korrosionsspuren sichtbar, insbesondere bei den Zinnanteilen.
Die furnierten Holzflächen zeigen Rissbildungen entlang der Maserung, Furnierablösungen sowie Fehlstellen und Kantenverluste, vor allem in stark beanspruchten oder gekrümmten Bereichen wie der Schreibfläche. Frühere Reparaturversuche sind teilweise erkennbar und entsprechen nicht immer den originalen Materialien oder Techniken.
Die Oberflächen weisen Verschmutzungen, Kratzer, Druckstellen sowie einen ungleichmäßigen Abtrag der historischen Oberflächenfassung auf. Lokale Verfärbungen deuten auf frühere Feuchte- oder Flüssigkeitseinwirkungen hin.
Restaurierungs- / Konservierungsmaßnahmen
Ziel der Maßnahmen ist die konservatorische Sicherung und restauratorische Stabilisierung des Möbels unter besonderer Berücksichtigung der komplexen Materialkombination aus Holz, Metall und Elfenbein.
Gefährdete Furnier- und Intarsienbereiche werden gesichert und konsolidiert. Fehlstellen in den Metalladern aus Messing und Zinn werden material- und profilgerecht ergänzt oder stabilisiert. Korrosionsprodukte werden schonend reduziert und die Metalloberflächen konservatorisch geschützt.
Die elfenbeinernen Intarsien werden gereinigt, gefestigt und, soweit konservatorisch vertretbar, ergänzt oder optisch geschlossen. Ergänzungen erfolgen zurückhaltend und reversibel, sodass sie sich in das Gesamtbild einfügen, ohne den historischen Bestand zu verfälschen.
Rissbildungen im Holz werden stabilisiert, lose Verbindungen neu verleimt. Abschließend erfolgt eine zurückhaltende Oberflächenbehandlung, beispielsweise in Form einer handgeriebenen gewachsten Öloberfläche, um die Materialwirkung zu bewahren und die Lesbarkeit der Intarsien und Metalladern zu unterstützen
Sie haben ein Möbel zum Restaurieren?
Kontaktieren Sie mich für ein Erstgespräch.
Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.