Empire Sekretär
Epoche
Empire / Frühklassizismus, um 1800–1815
Geschichtliches
Der Sekretär ist ein repräsentatives Schreib- und Aufbewahrungsmöbel des frühen 19. Jahrhunderts und vereint Funktionen von Schreibmöbel, Kommode und Schrank in einem streng vertikal gegliederten Aufbau.
Der Empirestil entwickelte sich im politischen und kulturellen Umfeld der Herrschaft von Napoléon Bonaparte und diente als bewusst eingesetztes Repräsentationsmittel. Die Rückbesinnung auf die Antike – insbesondere auf römische Architektur und Ikonographie – sollte Macht, Ordnung und imperiale Kontinuität symbolisieren. Möbel dieser Zeit fungierten daher nicht nur als Gebrauchsgegenstände, sondern als Träger ideologischer und ästhetischer Leitbilder.
Material
Der Korpus besteht aus massivem Nadelholz und bildet die konstruktive Grundlage des Möbels. Die sichtbaren Flächen sind überwiegend mit Mahagoni furniert. Die Innenausstattung vorwiegend aus Kirschbaum. Beschläge sind ziselierte, feuervergoldete Bronzebeschläge.
Beschreibung
Im geschlossenen Zustand zeigt das Möbel eine streng symmetrische, architektonisch aufgebaute Front.
Der Oberteil ist als Klappe ausgeführt. Hinter dieser befinden sich drei Schubladen, deren Fronten mit einer Mauerwerkintarsie gestaltet sind. Die Schubladen werden seitlich von Säulen flankiert, welche einen Giebel tragen, der funktional als Schublade ausgeführt ist. Im oberen glatten Bereich befindet sich ein zentral platzierter, reliefierter Bronzebeschlag mit einer antikisierenden figürlichen Szene. Diese ist ikonographisch als Bezugnahme auf antike Tugendvorstellungen wie Ordnung und staatliche Autorität zu verstehen.
Der Mittelteil besteht aus einer Schreiblade mit aufklappbarem Vorderstück. Die Schreibfläche ist mit Leder bezogen. Im Innenbereich befinden sich vier Schubladen mit Fronten aus geschwärztem Birnbaum, verziert mit Buchsbaumblütenintarsien und Messingadern.
Zentral ist ein herausnehmbarer Innenkorpus eingesetzt, der durch Säulen und eine Balustrade gegliedert ist. Hinter diesem Korpus befinden sich geheime Schubladen, die erst nach dessen Entnahme zugänglich sind.
Der Unterteil ist als geschlossener Stauraum mit einer großformatigen Tür ausgeführt. Zusätzlich befindet sich links im unteren Bereich eine Schublade.
Das Möbel wird links und rechts von aus Lindenholz geschnitzten und in antico verde gefassten und partiell blattvergoldeten karyatidenartigen Figuren flankiert. Den oberen Abschluss bildet eine Balustrade, die den architektonischen Aufbau des Möbels betont.
Aufgabenstellung / Schadensbild
Das Möbel weist alters- und nutzungsbedingte Schäden auf. An mehreren Stellen massive Furnierverluste und Abplatzungen. Teilweise sind Verleimungen gelöst, zudem sind Verschmutzungen, Kratzer, Druckstellen und Verfärbungen teils durch Feuchtigkeit oder UV- Einfluss. Karyatiden / Figurenmotive sind abgerieben und verfärbt, teilweise gebrochen, schief und locker.
Einzelne Bronzebeschläge fehlen, locker und deutlich abgenützt. Schlösser teilweise funktionsunfähig und Schlüssel nicht vorhanden.
Die ursprünglichen Möbelfüße sind nicht erhalten und wurden in früherer Zeit erneuert.
Restaurierungs- / Konservierungsmaßnahmen
Vorgesehen sind die Sicherung und Konsolidierung der Holzsubstanz sowie die Festigung gefährdeter Furnier- und Intarsienbereiche. Fehlstellen werden mit zeitlich und materialgerechten passenden Furnieren ergänzt. Füße werden rekonstruiert.
Lose Verbindungen und Beschläge werden stabilisiert, gereinigt und gesichert. Die Metallteile werden konservatorisch behandelt und repariert unter Erhalt der historischen Patina. Fehlende Beschläge werden gereinigt und teilweise nachgegossen, ziseliert und feuervergoldet.
Karyatiden sowie sämtliche geschnitzte Bauteile werden neu in antico verde gefasst und mit Blattgold vergoldet, unter Berücksichtigung der historischen Erscheinung und Materialwirkung. Oberflächenbehandlung erfolgt als Schellackoberfläche.
Weitere Informationen
Dieses Objekt können sie bei mir bis zum 20.2.2026 besichtigen.
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