Schreibsekretär mit Schreibklappe, zugeschrieben an Josef Frank, Wien, ca. 1925–1935

Epoche

Moderne Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit.

Geschichtliches

Der Schreibsekretär ist ein funktionales Kombinationsmöbel des bürgerlichen Wohn- und Arbeitsbereichs der Zwischenkriegszeit. Er vereint Schreib-, Ordnungs- und Aufbewahrungsfunktionen in kompakter, vertikaler Bauweise. Die Typologie des Sekretärs mit klappbarer Schreibfläche ermöglicht es, den Arbeitsbereich bei Nichtgebrauch geschlossen und zurückhaltend in den Wohnraum zu integrieren.
Die Zuschreibung an Josef Frank steht im Kontext seiner gestalterischen Haltung, Möbel als wohnliche, alltagstaugliche Gebrauchsgegenstände zu entwerfen. Charakteristisch sind die klare Kubatur, der Verzicht auf ornamentale Überformung sowie die Betonung von Materialität, Proportion und Funktion. Der Sekretär ist nicht als repräsentatives Einzelobjekt gedacht, sondern als selbstverständlicher Bestandteil eines lebendigen Wohnraums.

Material

Das Trägermaterial des Korpus des besteht aus Tischlerplatten. Die sichtbaren Oberflächen sind mit Nussholzfurnier belegt, das großflächig und spiegelbildlich angeordnet ist.
Die Beschläge der Schubfächer sowie der Schreibklappe bestehen aus Messing. Die Knöpfe der kleinen Innenladen sind aus Elfenbein gefertigt.

Beschreibung

Das Möbel ist klar gegliedert und streng symmetrisch aufgebaut. Der Unterbau besteht aus vier Schubfächern, die in zwei Reihen angeordnet sind. Die Ladenfronten sind flächenbündig mit einer Fadenleiste gearbeitet und mit schlichten Messinggriffen versehen. Der Korpus steht auf vier schlanken, eckigen Beinen, wodurch eine deutliche Bodenfreiheit entsteht und dem Möbel eine leichte, wohnliche Wirkung verliehen wird.
Der obere Korpus wird durch eine großformatige, nach vorne klappbare Schreibplatte bestimmt. Im geöffneten Zustand bildet diese eine funktionale Arbeitsfläche. Dahinter befindet sich ein fein gegliederter Innenraum mit offenen Fächern sowie zwei kleinen Schubladen zur Aufbewahrung von Schriftgut und Schreibutensilien. Die Innenaufteilung folgt einer klaren, funktionalen Ordnung ohne dekorative Übersteigerung.
Auf profilierte Zierelemente oder ornamentale Details wird bewusst verzichtet. Die gestalterische Wirkung des Möbels ergibt sich aus der ausgewogenen Proportionierung, der hochwertigen Furnierarbeit und der reduzierten Materialästhetik.

Schadensbild

Das Möbel weist alters- und nutzungsbedingte Schäden auf. Die Oberfläche zeigt leichte Kratzer und Druckstellen sowie eine starke Ausbleichung infolge von Lichteinwirkung. Lokal sind Wasserflecken mit Verfärbungen der Furnier vorhanden. Mehrere Schubfächer sind schwergängig, im Innenraum sind einzelne Fächer locker. An den Außenkanten der Ladenfronten sind Abschläge und Kantenverluste festzustellen. Der Beschlag der Schreibklappe ist verbogen, wodurch die Funktion der Klappe beeinträchtigt ist. Die Elfenbeinknöpfe zeigen altersbedingte Gebrauchsspuren, sind jedoch vollständig erhalten.
Restaurierungs- / Konservierungsmaßnahmen
Vorgesehen ist eine schonende Abnahme der Oberflächenbehandlung zur Entfernung von Verschmutzungen und Ablagerungen. Gelöste Holz-, Furnier- und Fächerverbindungen werden gesichert und konsolidiert. Die schwergängigen Schubfächer werden durch Richten der Ladenkästen sowie Reinigung und Optimierung der Laufleisten wieder gangbar gemacht.
Abgeschlagene Kanten an den Ladenfronten werden substanzschonend ergänzt, unter Berücksichtigung der historischen Materialität. Der verbogene Klappenbeschlag wird gerichtet und funktional instand gesetzt, wobei der originale Beschlag erhalten bleibt. Die Elfenbeinknöpfe werden trocken gereinigt und konservatorisch gesichert.
Abschließend erfolgt eine zurückhaltende Oberflächenbehandlung in Form einer mattierten Schellackoberfläche, um die Holzsubstanz zu schützen, die optische Wirkung zu beruhigen und die historische Patina zu bewahren.

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