Schreibsekretär

Epoche / Stil

Klassizismus, Direktorium (um 1795–1800)

Geschichtliches

Der Schreibsekretär mit Aufsatz ist ein repräsentatives Arbeits- und Aufbewahrungsmöbel des gehobenen bürgerlichen Interieurs der späten Aufklärungszeit. Er vereint Funktionen der Kommode, des Schreibmöbels und des Kabinettschranks. Die Möbel dieser Phase zeichnen sich durch eine klare, architektonisch gegliederte Formensprache, reduzierte Ornamentik sowie eine starke Betonung von Funktion und Konstruktion aus. Charakteristisch für den Stil des Direktoriums ist die Verbindung einer ruhigen, streng symmetrischen Außenform mit einem technisch und funktional hochdifferenzierten Innenaufbau.

Material

Der Korpus besteht aus massivem Eichen und Nadelholz als konstruktivem Trägermaterial. Die sichtbaren Flächen sind mit edler Mahagoni furniert.
Beschläge, Ringgriffe, Zierleisten und Sabots bestehen aus Messing, teilweise vergoldet. Die Schreibfläche ist mit grünem Leder belegt.

Beschreibung

Das Möbel ist streng symmetrisch aufgebaut und klar vertikal gegliedert. Der Unterbau besteht aus einer flächig gehaltenen Kommode mit zwei breiten Schubladen. Die Schubladenfronten sind rahmend gefasst und mit schlichten Ringgriffen aus Messing ausgestattet. Der Korpus ruht auf vier schlanken, konisch zulaufenden Beinen mit vergoldeten Sabots; die Beine sind anschraubbar ausgeführt und über verdeckte Schraubverbindungen mit dem Unterbau verbunden.
Der obere Korpus wird durch eine großformatige, abklappbare Schreibklappe bestimmt. Im geschlossenen Zustand erscheint die Front ruhig und geschlossen, eingefasst von aufgesetzten Messingzierleisten mit hölzernen Trägerkern. In geöffnetem Zustand bildet die Klappe eine großzügige, mit grünem Leder belegte Schreibfläche.
Der Innenausbau ist architektonisch gegliedert und technisch komplex ausgeführt. Er umfasst seitliche Schrankelemente, mehrere kleinformatige Schubladen sowie einen zentral angeordneten Mittelteil mit verspiegelten Flächen und säulenartig profilierten Stützen. Die Bodenfläche des Innenraums ist mit geometrischer Marketerie gestaltet.
In den Mittelteil ist ein separat gefertigter, beweglicher Innenkorpus integriert, der über einen verdeckten Geheimauslöser entriegelt wird und federunterstützt nach vorne hervorspringt. Dieser ausfahrbare Korpus ist seitlich mit weiteren kleinformatigen Schubladen ausgestattet. Zusätzlich sind im gesamten Innenaufbau mehrere verdeckte Geheimladen vorhanden, die im geschlossenen Zustand nicht sichtbar sind und ausschließlich über versteckte Mechanismen geöffnet werden können.

Aufgabenstellung / Schadensbild

Das Möbel weist alters- und nutzungsbedingte Gebrauchsspuren auf. Festzustellen sind kleinere Furnierfehlstellen, Kantenverluste sowie vereinzelte Rissbildungen in der Holzsubstanz. Die Messingzierleisten und Metalleinsätze zeigen Oberflächenverschmutzungen und fehlen teilweise. Einzelne Beschläge sind gelockert. Das Schreibleder ist nicht vorhanden.
Restaurierungs- / Konservierungsmaßnahmen:
Vorgesehen sind die Sicherung und Konsolidierung der Holzsubstanz sowie die Festigung gefährdeter Furnierbereiche. Fehlstellen werden material- und zeitgerecht ergänzt. Lose Verbindungen und Beschläge werden stabilisiert. Die Messingteile werden gereinigt, ergänzt und konservatorisch gesichert. Die Oberfläche wird mittels traditioneller Schellackpolitur behandelt.

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