Secessionistischer Armlehnsessel, Entwurf Joseph Maria Olbrich, 1898

Epoche

Art Nouveau / Jugendstil (Wiener Secession), Ende des 19. Jahrhunderts

Geschichtliches

Der secessionistische Armlehnsessel entstand 1898 nach einem Entwurf von Joseph Maria Olbrich für die zweite Ausstellung der Wiener Secession, die im neu errichteten Secessionsgebäude in Wien stattfand. Diese Ausstellung gilt als ein zentrales Ereignis der frühen Wiener Moderne, da sie erstmals im eigenen Haus das neue ästhetische Programm der Secession konsequent in Architektur, Raumgestaltung und Kunstgewerbe umsetzte.
Die Armlehnsessel wurden im sogenannten „Kunstgewerbezimmer“ präsentiert und stehen exemplarisch für den Anspruch der Secession, die Grenzen zwischen freier Kunst, Architektur und angewandter Gestaltung aufzuheben. Der Entwurf verbindet funktionale Anforderungen eines Sitzmöbels mit einer bewusst architektonischen, repräsentativen Formensprache und folgt dem Leitgedanken des Gesamtkunstwerks.

Material

Der Sessel ist aus massivem Eichenholz gefertigt, die Standfläche und die Füße mit Messingbeschlägen versehen.
Sitzfläche und Rückenlehne sind mit einem dekorativen Textil bespannt. Es handelt sich um das Stoffmodell „Abimelech“, entworfen 1899 von Koloman Moser für Backhausen & Söhne.

Beschreibung

Der Armlehnsessel ist streng geometrisch aufgebaut und zeichnet sich durch eine klare, tektonische Gliederung aus. Die hohe, T-förmig gegliederte Rückenlehne verleiht dem Möbel eine ausgeprägt vertikale Ausrichtung und eine repräsentative, nahezu thronartige Präsenz. Senkrechte Stabgitter an Rücken, Seiten und Vorderzarge strukturieren das Möbel rhythmisch und betonen seinen konstruktiven Charakter.

Aufgabenstellung / Schadensbild

Der Sessel weist alters- und nutzungsbedingte Veränderungen auf. An einzelnen Holzbauteilen sind kleinere Oberflächenabnutzungen, Verfärbungen, Kantenverluste, Kratzer und Dellen festzustellen. Lockerungen in den Holzverbindungen. Stark abgenützter Stoffbezug mit mehreren ebenfalls stark verschlissenen älteren Bespannungsschichten. Die Messingschuhe zeigen stellenweise Verschmutzungen und Oxidationsspuren.

Restaurierungs- / Konservierungsmaßnahmen

Vorgesehen sind die Sicherung und Konsolidierung der Holzsubstanz sowie die Stabilisierung gelockerter Verbindungen. Oberflächenverschmutzungen werden schonend reduziert, ohne die historische Patina zu beeinträchtigen. Die Messingbeschläge werden gereinigt, konserviert und gesichert.
Abschließend erfolgt eine zurückhaltende Oberflächenbehandlung des Holzgestells mit einer schellackbasierten Pflege, um die Materialwirkung zu stabilisieren und zu schützen.

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